Man stelle sich einen sehr aktiven Menschen vor, der gern Initiative ergreift, der ein Macher ist, der etwas bewegen möchte.
Daneben stelle man eine Person, zu dem dieser aktive Mensch eine schicksalhafte Verbindung hat – und die das ganze Gegenteil ist. Zumindest zurzeit.
Was passiert?
Da prallen Gegensätze aufeinander!
Doch erstere Person weiß in der Tiefe des Herzens, dass es Sinn macht, Kompromisse zu finden. Das fällt schwer.
Erstere Person bin ich. Regelmäßig durchschauern mich freudvolle Gedanken des Aufbruchs zum vielversprechend anmutenden neuen Ufer! Ich hätte doch glatt Lust, meine Koffer zu packen und mit Fanfaren in ein neues Leben zu steuern!
Wenn es nur so einfach wäre!
Mein Herzgeist bremst mich aus. Er bremst jenen Teil in mir aus, der gern hemmungslos seine eigenen Bedürfnisse feiern möchte. In gewisser Weise bin ich also festgebunden. Ich warte. Tue wider Erwarten gar nichts, wo ich früher im wilden Aktionismus Bäume ausgerissen und doppelt so viele neue angepflanzt hätte! Denn da gibt es jene sanfte, klare und weise Stimme in mir, die im alles befriedenden Ton sagt: “Es ist noch nicht so weit!”
Ja, das Geheimnis eines Lebens mit Herzgeist ist in der Tat die Geschwindigkeit. Eine Geschwindigkeit, die das Leben vorgibt, nicht ich. Eine Geschwindigkeit, die in Harmonie mit Umständen und Bedingungen ist, die ich in meiner Blindheit nicht einmal annähernd durchschaue. Sich dieser Geschwindigkeit – die vor meinem heißspornigen Ego keine ist, sondern “STAGNATION!” – treiben lassend anzuvertrauen, ist die Kunst, mit Herzgeist zu leben, denke ich. Denke ich und probiere es aus.
Kann das Herz so weise, so geduldig und zugleich doch irgendwie traurig darüber sein, das es so lange dauert? Ja, denn das Herz umschließt die mit ihm verbundene Person, hat sie in ständiger Umarmung und weiß daher einfach, wo der andere steht – auch ohne Worte. Es fühlt, dass es hier mit deadlines und Termindruck nicht weiterkommt, sondern nur mit der Großzügigkeit des Verständnisses, mag diese Geduld oft genug auch schmerzlich sein.
Bei weitem umarmt das Herz doch nicht nur den anderen. Zwar ahnt es mehr, als dass es mit Fakten aufwartet, doch weiß es, ob Umstände reif, Gelegenheiten schon eröffnet, Wege schon bereitet sind.
So meditiere ich also über das Geheimnis der rechten Geschwindigkeit, wäge Für und Wider, manchmal machtvoll innerlich streitend und abstreitend, manchmal sanft und akzeptierend ab. Ich sammle Informationen, bereite mich vor. Ich vermeide vorerst, konkrete Schritte einzuleiten.
Und versuche letztlich, über allem nicht die Geduld zu verlieren.